LR Mair: „Wer sich überlegt, was er auf eine kleine Expedition mitnehmen würde, ist für den Notfall recht gut aufgestellt.“
Landesrätin im Zivilschutz-Interview
Die CORONA-Krise hat gezeigt, wie schnell es zu Engpässen kommen kann. Doch der Großteil der Menschen ist bezüglich „Zivilschutz“ recht sorglos. Der ROFAN-KURIER hat aufgrund der aktuellen Welt-Lage Tirols die Zivilschutz-Landesrätin zum Interview gebeten.
TIROL In Tirol wird viel in Sachen Zivilschutz informiert. Dennoch ist das Thema wenig präsent...
ROKU: „Astrid, bisher warst du auch Präsidentin des Tiroler Zivilschutz-Verbandes. Kürzlich hat Hermann Gahr diese Funktion übernommen. Warum?“
MAIR: „Hermann war bisher Vize-Präsident und er deckt die operative Komponente besser ab. Die politischen Vertreter sind in erster Linie Eigentümer-Vertreter. Hermann Gahr war 50 Jahre bei der Feuerwehr und ist als Nationalrat a.D. mit seinen vielen Kontakten ausgezeichnet geeignet.“
ROKU: „Was ist die Aufgabe des Zivilschutzverbands-Präsidenten?“
MAIR: „Er arbeitet z.B. präventiv an Themen wie Black-Out-Vorsorge und an den Katastrophenschutz-Plänen. Hier werden Einsatzleitungen gebildet und unterstützt. Aber das geht noch viel weiter: Kontakt mit Schulen für die Kindersicherheits-Olympiade, Krisenvorsorge-Kampagnen mit Lebensmittel-Versorgern und vieles mehr.“
ROKU: „Vor 20 oder 30 Jahren war Zivilschutz noch in aller Munde, heute interessieren sich gefühlt recht wenige Menschen für dieses Thema. Warum?“
MAIR: „Ja leider. Das ist dem geschuldet, dass wir bezüglich Vorsorge sehr verwöhnt sind. Die Menschen in Österreich kennen seit Generationen keine Knappheit. Wir haben permanent und fast sieben Tage die Woche Zugang zu Lebensmitteln und allen Gütern des täglichen Bedarfs. Umso mehr müssen wir für dieses Thema sensibilisieren. Die Kriege auf der Welt zeigen uns die Notwendigkeit.“
ROKU: „Ein Bekannter hat mir kürzlich erklärt, er brauche keinen Kühlschrank, weil er in Innsbruck den Supermarkt ums Eck hätte. Was sagst du dazu?“
MAIR: „Da fehlen mir fast die Worte (lacht). Wir alle müssen vorsorgen. Im Ernstfall kann es einige Tage dauern, bis die Versorgung wieder anläuft und große Lagerbestände gibt es nicht mehr! Ich habe mir tatsächlich auch selber schon einen Vorrat angelegt, auch ein Batterie-Radio. Da ist ein gutes Gefühl.“
ROKU: „Was sind die wichtigsten Bereiche des Zivilschutzes in Tirol?“
MAIR: „Neben Haushalts-Bevorratung und Bewusstseins-Bildung gehören auch der AT-Alert, der Zivilschutz-Probealarm, und die Blackout-Vorsorge zum Zivilschutz. Aber das Thema ginge noch viel weiter.“
ROKU: „Wie lange sollte sich ein Haushalt versorgen können, ohne dass jemand einkaufen geht?“
MAIR: „Grundsätzlich soll man eine Woche mit dem auskommen, was man zu Hause hat. Im Idealfall zwei Wochen. Wenn man den Vorrat nicht für Notlagen braucht, verwendet man ihn nach und nach... Vorrat heißt übrigens auch, ausreichend Trinkwasser vorrätig zu haben.“
ROKU: „Gehören die Vorsorge für stromfreies Kochen und Wundversorgung auch zur Bürgerpflicht im Zivilschutz oder ist das überzogen?“
MAIR: „Ja natürlich. Das sollte man auf jeden Fall mit berücksichtigen. Eine Kochmöglichkeit und eine gut ausgestattete Hausapotheke sind wichtig. Auch Medikamente, die man regelmäßig benötigt, sollte man ausreichend vorrätig haben. Auch für Familien-Mitglieder. Wenn man sich überlegt, was man braucht, wenn man auf einer kleinen Expedition ist, liegt man nicht ganz falsch. Ich empfehle hier unsere Landes-Homepage oder die Homepage zivilschutz.at“
ROKU: „Was tut das Land z.B. für die Vorsorge in den Gemeinden?“
MAIR: „Wir betreiben Krisenvorsorge auch für Gemeinden und Altersheime. Wir fördern hier zum Beispiel Notstrom-Aggregate. Das muss zwar von der Gemeinde ausgehen, aber wir übernehmen mit dem Land Tirol einmalig 50% bis zu 50.000,- EURO pro Aggregat, je nach Größe.“
ROKU: „Warum wurde der AT-Alert auch für Lawinengefahr verwendet?“
MAIR: “Das war an einem sehr gefährlichen Wochenende unser letztes Mittel, um sowohl Bürger als auch Gäste flächendeckend zu erreichen und so vielleicht Schlimmeres zu verhindern. Eine tolle Möglichkeit! Anders als bei der Sirene können wir hier auch Detail-Infos übermitteln, so wie eben zur Lawinen-Situation. Das System ist mittlerweile bekannt. Wer außer Landes war, auch Touristen, bekommt Infos bis zu 24 Stunden später auch noch, sobald sie sich ins österreichische Mobilfunk-Netz einwählen. Wir haben den AT-Alert auch schon für regionale Brände verwendet und kürzlich eben flächendeckend.“
ROKU: „Danke für das Gespräch!“




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