Im Sommer sprang der Zillertaler Philipp Aschenwald (gelbes Trikot) den arrivierten ÖSV-Springern in Stams davon (v.l.): Andreas Kofler, Stefan Kraft, Philipp Aschenwald, Clemens Aigner und Daniel Huber.ÖSV

Skispringer Aschenwald will zur Heim-WM

Der junge Zillertaler Skispringer Philipp Aschenwald hat heuer im Sommer beim Mattenspringen überzeugt. Er gewann den Continental-Cup mit über 300 Punkten Vorsprung. Nun darf er sich im Weltcup beweisen: Aschenwald ist Teil des ÖSV-Kader beim Weltcup-Start in Polen.

MAYRHOFEN Mit einem Vorsprung von 301 Punkten gewann der Zillertaler Ski-Springer Philipp Aschenwald den Sommer-Continental-Cup souverän. Der Lohn dafür: Er darf bei den ersten Springen im Weltcup starten. "Er hat uns durch seine starken Leistungen den siebenten Startplatz für die erste Wettkampf-Periode im Winter gesichert und wird diesen Platz auch selbst einnehmen", sagt Andreas Felder, der Cheftrainer der Ski-Springer. Also wird der Zillertaler beim Auftaktspringen in Wisla (Polen) am Samstag, 17. November, dabei sein.
Was seine Ziele für heuer sind, verrät Philipp Aschenwald im ROFAN-KURIER-Interview:

ROFAN-KURIER: "Im Sommer-Continental-Cup warst du super in Form. Konntest du diese Form konservieren?"
Philipp ASCHENWALD: "Eine Form kann man nicht wirklich konservieren. Jetzt ist die letzte Trainings-Phase vor dem Weltcup-Start und es gibt keine lange Sprungpause mehr. Wenn man im Winter gleich weiterarbeitet wie im Sommer, dürfte es nicht wirklich einen Unterschied machen..."

RoKu: "Was sind die Unterschiede zwischen Matten- und Schneespringen?"
ASCHENWALD: "Der Unterschied ist nicht so groß wie man denkt. Ob man auf Matten oder Schnee landet ist eigentlich egal. Nach zwei, drei Sprüngen merkst du nichts mehr. Der größte Unterschied ist die Luft-Temperatur – die kalte Luft ist etwas dicker. Der Sprung wird komplett gleich gemacht..."

Roku: "Wie und wie oft trainierst du?"
ASCHENWALD: "Grundsätzlich trainieren wir im Sommer von Montag bis Freitag. Wir haben Trainingskurse, gehen montags, mittwochs und freitags in die Kraftkammer und Springen zwei, drei Mal pro Woche. Im Sommer ist das Krafttraining natürlich intensiver als im Winter. Im Winter fährt man meistens Mittwoch oder Donnerstag zum Wettkampf. Dort gibt es dann meistens ein angepasstes Training mit einer individuellen Vorbereitung. Man muss auch schauen, dass man 'spritzig' bleibt."

RoKu: "Was ist dein Ziel für den heurigen Winter?"
ASCHENWALD: "Ich möchte die Saison durchziehen und lässige Sprünge zeigen. Außerdem will ich bei der Heim-WM in Seefeld dabei sein und um Medaillen fighten. Das ist mein großes Ziel..."

WM? "Nicht unrealistisch!"

RoKu: "Wie realistisch siehst du einen Start bei der WM? Im österreichischen Team haben wir ja einen großen Konkurrenzkampf um die Startplätze..."
ASCHENWALD: "Es ist ein Vorteil, dass der Krafti (Stefan Kraft, Anm.) in Lahti 2017 Weltmeister geworden ist – deshalb haben wir fünf Startplätze. Und ich habe schon bei ein paar Wettkämpfen gezeigt, dass ich unter den besten fünf der Österreicher sein kann. Deshalb finde ich einen WM-Start nicht unrealistisch."

RoKu: "Wie bereitest du dich mental auf ein Springen vor?"
ASCHENWALD: "Mental werde ich von meinem Vater sehr stark unterstützt. Er war selbst Leistungs-Sportler (Nordische Kombination, Anm.) und ist nun Mentaltrainer. Wir führen natürlich laufend Gespräche und machen regelmäßig auf der mentalen Schiene gewisse Übungen. Vor allem das Visualisierungstraining hilft mir sehr..."

RoKu: "Wie viele Anzüge bzw. Paar Ski hast du?"
ASCHENWALD: "Für den Winter habe ich zwei Paar Ski, für den Sommer eines. Bei den Sprunganzügen variiert das etwas, letztes Jahr habe ich nur sechs gebraucht. Wenn sich eine Regel ändert braucht man eventuell ein paar mehr..."

RoKu: "Wann weiß man, welches Material man verwendet?"
ASCHENWALD: "Ich weiß das immer relativ schnell. Es geht einfach darum, mit welchen Material man sich am besten fühlt."

RoKu: "Wie lange sind deine Ski?"
ASCHENWALD: "2,54 Meter."

Philipp Aschenwald: "Je größer die Schanze, desto besser funktioniert mein System."

RoKu: "Du kommst ja aus einer Ski-Familie. Wann bist du das erste Mal auf Sprung-Ski gestanden?"
ASCHENWALD: "Ich habe auch einen älteren Bruder, der hat mit der Nordischen Kombi bzw. mit dem Skispringen angefangen. Das wollte ich dann selbst versuchen! Mit acht bin ich das erste Mal in Mayrhofen die kleinste, die 15-Meter Schanze, hinunter."

RoKu: "Von der kleinen auf die ganz große Schanze. Letzte Saison hast du deine persönliche Bestweite in Vikersund auf 221,5 Meter verbessert. Siehst du dich eher als Skiflieger oder als Skispringer?"
ASCHENWALD: „Durch meine Technik bin ich eher zum Skiflieger geworden. Je größer die Schanze desto besser funktioniert mein System. Skifliegen ist einfach ein Wahnsinn! Es ist brutal lässig, wenn man so weit hinunterspringen kann!"

RoKu: "Viel Glück für die neue Saison!"