Stephan Eberharter gewann 2004 die Steif mit einer Traumfahrt: "Damals wollte ich unbedingt gewinnen."Colmar

Streif-Legende Stephan Eberharter

Die Kitzbüheler Streif ist eine der schwierigsten Abfahrtsstrecken der Welt. Jahr für Jahr versuchen sich die weltbesten Abfahrer auf der Piste und werden oftmals abgeworfen. Jeder möchte einen Traumlauf erwischen und dem Rest der Welt entkommen. Wie der Zillertaler Stephan Eberharter 2004 – heuer jährt sich sein Traumlauf zum 15. Mal.

KITZBÜHEL Es ist der 24. Jänner 2004. Daron Rahlves führt bei der Abfahrt in Kitzbühel – er muss nur noch einen Top-Fahrer überstehen, dann gewinnt der Amerikaner das 64. Hahnenkamm-Rennen. Die Start-Nummer 30 steht im Starthaus: Stephan Eberharter. Eberharter ist ruhig - er weiß was er tut. Er will den Sieg unbedingt. Immerhin war Eberharter schon bei zwölf Streif-Abfahrten am Start. Das erste Mal 1992. In den Weltcup stieg er bereits zweieinhalb Jahre zuvor ein. Nach dem Sieg in der Europacup-Gesamtwertung in der Saison 1988/89 bekam der Tiroler einen Startplatz im Weltcup, startete aber anfangs nicht in der Abfahrt.

Nach ein paar Sekunden "auf der Streif" kommt Eberharter zur Mausefalle. Er riskiert voll – springt sauber und ist schnell. Auch seine Karriere begann rasant. In der ersten Saison holte der heute 49-Jährige vier Top-Ten-Platzierungen. Seinen ersten Podestplatz sicherte er sich 1990 beim Super-G von Valloire (Fankreich). Der Super-G war anfangs seine Parade-Disziplin…

Doppelweltmeister 1991

Seine Super-G-Künste sind auch noch 2004 bei der sauberen U-Hackerl-Kurve zu sehen. Bei der dort platzierten Zwischenzeit ist er bereits in Führung. Erster wurde er auch bei der Wahl zu Österreichs Sportler des Jahres 1991. Eberharter feierte seine Premieren-Siege bei der Weltmeisterschaft in Saalbach-Hinterglemm – wurde '91 Super-G- und Kombinations-Weltmeister. Im Weltcup erreichte der Zillertaler in dieser Saison noch weitere Podestplätze, aber danach wurde es ruhig um Eberharter. "Die Einstiegsjahre waren sehr gut, dann ging es aber bald in eine andere Richtung", erinnert sich der Zillertaler heute an den Anfang seiner Karriere.

Bei etwa einer Minute Fahrzeit springt "Steff" zurück ins Bild der TV-Kameras – der Seidlalmsprung geht weit. Eberharter ist schnell; 1,17 Sekunden vor Rahlves. Nach Verletzungen, Materialproblemen und einem anhaltenenden Formtief kehrte Eberharter in der Saison 1997/98 eindrucksvoll in den Weltcup zurück: "Durch den Europacup konnte ich mich neu beweisen und ab '98 war ich dann wieder im Nationalteam. Die Erfolge sind nahtlos weitergeganen", erzhält er im ROFAN-KURIER-Interview. Er konnte mehrere Podestplätze und eine Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen im Riesentorlauf erreichen.

Dauerduell mit dem "Herminator"

Eine kleine Unsicherheit am Oberen Hausberg kostet Eberharter 2004 Zeit – an der Hausbergkannte schrumpft sein Vorsprung auf 76 Hundertstel. Kleine Fehler konnte sich der Tiroler nur selten leisten. Meistens war dann sein größter Konkurrent zur Stelle. Mit Hermann Maier duellierte sich Eberharter Jahr für Jahr – aus dem Schatten des "Herminators" konnte der Zillertaler aber erst nach Maiers schweren Motorradunfall 2001 treten. Der ÖSV hatte damals ein sehr starkes Team. "Wir alle sind Egoisten, die für den Erfolg kämpfen. Wenn du erfolgreich bist, machst du alles richtig", sagt Eberharter.

In der Traverse zeigt der Ehrenbürger der Gemeinde Stumm seine ganze Klasse, wählt eine enge Linie bei der Einfahrt und kommt perfekt zum Zielschuss – mit großem Vorsprung. Mit einem solchen gewann Eberharter auch in den Saisonen 2001/02 und 2002/03 den Gesamtweltcup, gewann Bronze, Silber und Gold bei Olympia und wurde 2003 erneut Super-G-Weltmeister und Österreichs Sportler des Jahres. Insgesamt feierte Eberharter in seiner Karriere 29 Siege und fuhr 75 Mal aufs Podest. "Rein sportlich gesehen war der Gewinn des Gesamtweltcups der größte Erfolg, den ich in meiner Karriere hat. Das ist sicherlich das Größte, das ein Skisportler erreichen kann", sagt Eberharter. Er sei in der glücklichen Situation alles gewonnen zu haben - den Gesamtweltcup, Olympia, Weltmeisterschaften und auch auf der Streif.

Mit einer Zeit von 1:55.48 ist Eberharter im Ziel – 1,21 Sekunden vor Rahlves. Der sonst so zurückhaltende Eberharter freut sich, schreit seine Freude heraus – "Ich wollte diesen Sieg unbedingt und dachte schon am Start, dass es eventuell meine letzte Chance sein würde." Eberharter ist damals alles aufgegangen und lieferte 2004 einen Traumlauf ab. Der Sieg auf der Streif ist für ihn mit einem Weltmeister-Titel gleichzusetzen.

Im September 2004, ein halbes Jahr nach Kitzbühel, beendete Eberharter seine Karriere. Seit dem ist Eberharter als Testimonial (Werbeträger) für seine Partner wie Uniqua unterwegs und hält Vorträge.

Den Sieg in Kitzbühel setzt Eberharter mit einem Weltmeister-Titel gleich. © Spieß/Tirolfoto

Auch heuer wird Eberharter in Kitzbühel wieder dabei sein. Er veranstaltet für den KSC (Kitzbühler Ski Club) eine Chariity-Steckenbesichtigung auf der Streif.
Für die Abfahrt sieht "Steff" mehrere Favoriten: "Es sind zehn, zwölf Läufer mit Chancen. Die Norweger und die Italiener schätze ich stark ein. Bei uns ist vor allem der 'Mottl Mayer' stark", sagt Eberharter. Sein patriotischer Siegertipp ist aber der Vincent Krichmayer - "bei fehlerfreiem Lauf".