In Hart im Zillertal, am tiefsten Punkt des Zillers, trat das Gewässer über die Ufer und überschwemmte einige Wiesen.BFV SZ

"Bernd": Region mit blauem Auge davon gekommen

Schwere Unwetter führten Mitte Juli zu Hochwasser, Muren, Straßensperren. Schwer betroffen war das Tiroler Unterland, vor allem die Stadt Kufstein. In Tirol gab es 536 Feuerwehreinsätze. Die Unwetter und schweren Regenfälle forderten aber anders als in Deutschland keine Menschenleben...

TIROL Mitte Juli wütete das Tiefdruckgebiet "Bernd" in Tirol – Zahlreiche Überflutungen, Muren und Schäden waren die Folge. In den besonders betroffenen Gebieten im Tiroler Unterland kam es zu  Niederschlagsmengen, mit Spitzen bis zu 170 mm, das entspricht einem 30-jährigen Hochwassers. "Von Samstag, 17. Juli, 18:00 Uhr bis Sonntag, 18. Juli, in der Früh gab es aufgrund der Unwetter in Tirol 536 Einsätze der Feuerwehren", informiert dazu das Land Tirol. Der Starkregen verursachte zahlreiche Probleme: Besonders im Raum Kufstein gab es hunderte Einsätze – von Kellerauspumpen bis zu Hangrutschungen und Straßensperren. Feuerwehren aus den umliegenden Bezirken und Gemeinden kamen den betroffenen Orten zur Hilfe, auch aus Bayern.

Situation im Bezirk Schwaz

Das Inn- und Achental waren ebenso betroffen. In Vomp stand eine Groß-Baustelle unter Wasser, am Achensee trat ein Bach über die Ufer. Ein naheliegender Camping-Platz musste in Folge evakuiert werden. Durch einen Murenabgang kam es auf der B181 Achenseebundesstraße zu einer Totalsperre. Anders die Situation im Zillertal: Bäche traten an allen Enden und Ecken über die Ufer, Durchlässe verklausten, Muren verlegten Straßen und Keller liefen voll. Im Bereich Fügen trat sogar der Ziller über die Ufer und überflutete große landwirtschaftliche Flächen. Kaum eine Feuerwehr musste nicht zu Hilfeleistungen oder Nachbarschafts-Hilfen ausrücken. Obwohl die Regenfälle im Laufe des Sonntages nachließen, kamen bis Dienstag, 20. Juli, weitere hinzu. Die Schäden sind beträchtlich, zum Glück gab es keine Verletzten. Alleine im Bezirk Schwaz gab es insgesamt etwa 100 Einsätze. Im Bezirk Schwaz stellte die Feuerwehr zudem einen Katastrophen-Hilfszug zusammen, um bei schweren Schäden im Bezirk Kufstein zu helfen. 14 Fahrzeuge mit 82 Mann wurden entsandt.

Die Feuerwehren waren im Unterland auch bei Murenabgängen im Einsatz. © BFV SZ

Kufstein schwer getroffen

Am schlimmsten traf es die Stadt Kufstein. Ausuferungen des Kienbachs, Kreuzbachs und des Mitterndorfer Bachs führten zu Überflutungen im Kufsteiner Stadtgebiet und zum Zivilschutzalarm. Die Bevölkerung wurde aufgefordert in den Häusern zu bleiben, Tiefgaragen und Keller nicht zu betreten und sich von den Dämmen der Fließgewässer fernzuhalten. Der Zivilschutzalarm wurde dann am Sonntag, 18. Juli, um 08:00 Uhr wieder aufgehoben. Dennoch sollte die Bevölkerung weiterhin in den Häusern bleiben, um die Einsatzkräfte nicht zu behindern. "Glücklicherweise sind keine Personen zu Schaden gekommen. Ein großes Lob gilt den Einsatzorganisationen für ihr professionelles und schnelles Handeln", danken LH Günther Platter (ÖVP) und BH Dr. Christoph Platzgummer (ÖVP). Alleine von Samstag, 17. Juli, 18:00 Uhr, bis Sonntag, 18. Juli, 06:00 Uhr, verzeichnete die Leitstelle Tirol 194 Feuerwehreinsätze nur im Bezirk Kufstein. Unterstützung gab es durch zahlreiche Mitglieder der Bergrettung, Wasserrettung und des Rettungsdienstes.

Schmutzig-braune Fluten mit Treibgut: Der Inn bei Rattenberg stand hoch, Überflutungen gab es in der Region aber keine. © Huss

Land meldet sich zu Wort

LH Günther Platter, LH-Stv. Ingrid Felipe und LH-Stv. Josef Geisler zeigten sich bestürzt von den Schäden durch das Hochwasser: "Wir möchten an dieser Stelle allen Betroffenen unsere Unterstützung zusichern und sind gleichzeitig erleichtert, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Unser Dank gilt den zahlreichen Mitgliedern der Feuerwehren, Berg- und Wasserrettung sowie des Rettungsdienstes, die sich einmal mehr mit vollstem Engagement im Dienste der Bevölkerung stellten, sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Bezirkshauptmannschaften und den Gemeinden."

17 Mio. EURO Schäden

Die erste Grobschätzung für die Schäden beläuft sich, alleine im Infrastruktur-Bereich, auf 17 Millionen EURO. "Private Elementarschäden dürften sich ebenfalls in Millionenhöhe bewegen", heißt es in einem Statement des Landes Tirol. Die bestehenden Schutzbauten haben Siedlungsflächen vor größeren Schäden bewahrt.


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