Navigations-Systeme sollen bei Fahrten durch Tirol keine Ausweichrouten über die Dörfer mehr anzeigen...

Urlauber-Verkehr: Auch Tiroler müssen im Stau bleiben

Seit Mitte Juni gelten Fahrverbote auf mehreren Straßen im Großraum Innsbruck. Touristen auf der Durchreise dürfen Autobahn-Staus nicht mehr über die Dörfer umfahren. Auch Tiroler, die in Urlaub fahren, müssen auf der Autobahn – und damit im Stau – bleiben...

TIROL/UNTERLAND Seit Mitte Juni gelten Fahrverbote auf mehreren Landes- und Gemeinde-Straßen im Großraum Innsbruck und dem Wipptal. Eine Maßnahme, mit der die Tiroler Landesregierung den massiven Ausweichverkehr bei Autobahn-Staus abdrehen will. Jeweils am Samstag und am Sonntag von 7:00 bis 19:00 Uhr gelten die Verbote. Dann haben Durchreisende keine Möglichkeit mehr, Autobahn-Staus durch die Dörfer zu umfahren.
Ausnahme: Ziel- und Quell- sowie Anrainer-Verkehr. Die Maßnahme wird vorerst mit Samstag, 14. September, befristet.

Im Klartext

Wer also seine Oma in Innsbruck besucht oder ins Stubaital will, kann abfahren und die Staus umfahren. Auch wer beispielsweise seinen Zielort im Wipptal hat, darf dem Stau vor der Europa-Brücke ausweichen. Wer aber (gilt auch für Tiroler!) in den Urlaub nach Italien fährt, muss sich mit Deutschen und Holländern durch die Europa-Brücken-Baustelle stauen... Die Landesregierung präzisiert: "Ein Tiroler, der beispielsweise von Innsbruck an den Gardasee fährt, darf den Stau ebenfalls nicht über die genannten Ortschaften umfahren."
Reisende, die trotzdem abfahren, werden unmittelbar nach der Abfahrt durch entsprechende Schilder auf das Fahrverbot hingewiesen und wieder auf die Autobahn geleitet. Auch die Polizei kontrolliert vor Ort.  Im Fokus der Maßnahme stehen vor allem die Navigationsgeräte. Die Fahrverbote werden in das Verkehrs-Infosystem des Innenministeriums eingespielt und kommen so direkt in die Navis: "Wir sind zuversichtlich, dass die Navis die Strecke dann so berechnen, dass es zu keinem Ausweichverkehr kommt", erklärt Oberst Markus Widmann von der Tiroler Polizei.

Bayern bereitet Klage vor, LH Platter gelassen...

Der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bereitet bereits eine Klage gegen die Republik Österreich wegen der von Tirol verhängten Beschränkungen im Transitverkehr vor. Die Klage werde sich sowohl gegen die LKW-Blockabfertigung als auch gegen die jüngsten Fahrverbote auf Tiroler Straßen abseits der Autobahnen richten, sagte Scheuer kürzlich in München.
In Tirol reagiert Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) gelassen auf diese Ankündigung. Er sieht Tirol im Recht, die Maßnahme sei zu 100% konform mit EU-Recht: "Wir haben diese Maßnahmen nicht aus Jux und Tollerei verhängt, es sind vielmehr Notmaßnahmen, um die Verkehrs- und Versorgungssicherheit in unserem Land zu gewährleisten."

FPÖ Markus Abwerzger: "Was ist mit dem Unterland?"

Die FPÖ fordert indessen eine Ausweitung der Ausweich-Fahrverbote auf den Raum Kufstein. Einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag will die Partei im kommenden Landtag einbringen.  FPÖ-Landesparteiobmann LA Mag. Markus Abwerzger zu den Fahrverboten: "Das ist ein richtiger Schritt, wobei ich schon die Frage in den Raum stelle: Warum wurde diese Maßnahme nicht früher gesetzt?"
Er fordert Maßnahmen gegen den Ausweichverkehr auch im Tiroler Unterland, im Bezirk Kufstein: "Seit der Einführung der Vignettenkontrolle leidet das Unterland ebenso unter massiven Problemen. Viele aus Deutschland kommende Urlauber und Tagesausflügler verzichten auf den Kauf einer Vignette, weichen auf dem Weg in den Süden auf mautfreie Landes- und Gemeindestraßen aus und lösen damit eine wahre Verkehrslawine aus", schildert er die Situation und verlangt auch im Unterland entsprechende Fahrverbote.

Diese sollen nun ab Freitag, 6. Juli kommen. Dann gibt es auch im Bezrik Kufstein eine Kombination aus Fahrverboten und Dosierungen wie etwa bei der Ausfahrt Kirchbichl, im Kufsteiner Ortsteil Zell oder zur Entlastung der Unteren Schranne bei Niederndorf und Ebbs.