Wie hier in Kramsach wuchern Springkraut und Goldrute im gesamten Unterland. Sie verdrängen die heimischen Pflanzen und führen zu Boden-Erosion.Renate Moser

Stumme Invasion: Die "Einwanderer-Pflanzen"

Still und leise breiten sich auch in Tirol exotische Pflanzen aus, die auf den ersten Blick ungefährlich scheinen: Doch Springkraut und auch Pflanzen wie die Goldrute werden in Österreich zunehmend zum ernsten Problem.

KRAMSACH Eigentlich könnte es egal sein, wenn Springkraut und Co. die heimische Flora verdrängen. Doch so einfach ist es nicht: Wo heimische Pflanzen verschwinden, verschwinden auch die Insekten und Tiere, deren Nahrungs-Grundlage sie sind. Damit einher geht ein massiver Eingriff in das heimische Ökosystem, dessen Folgen unabsehbar sind. Doch nicht nur heimische Tiere und Pflanzen werden durch Springkraut oder Goldrute womöglich ausgerottet: Auch Dörfer, Siedlungen oder Ackerflächen sind bedroht: Während viele heimische Pflanzen als Tief-Wurzler die fruchtbaren Böden zusammenhalten, sterben diese überall dort ab, wo beispielsweise das Springkraut wächst, das als riesige Monokultur alle anderen Pflanzen unter sich abtötet.

Grundstücks-Eigentümer zur Bekämpfung verpflichtet!

Während man in Österreich zwar um die Gefahr weiß, aber eher den "Schlaf der Gerechten" schläft, sind in der Schweiz die Grundstücks-Eigentümer sogar per Verordnung verpflichtet, invasive Arten wie Springkraut und Goldrute aktiv zu entfernen und zu bekämpfen. Der Grund: Arten wie Springkraut oder Goldrute sind für die heimische Pflanzenwelt einfach zu schnell: Im Frühjahr schießen sie rasch in die Höhe, werden bis zu zwei Metern hoch und nehmen den heimischen Pflanzen das Licht und die Nährstoffe. Unter diesen hochstieligen Pflanzen ist kein anderes Leben mehr möglich. Da der nur faustgroße Wurzelballen des Springkrautes nicht in der Lage ist, das Erdreich zu halten und zu festigen, besteht insbesondere an Gewässerufern Gefahr durch Instabilität der Böschung und Erosion. Das Springkraut selbst ist ein Flachwurzler. Besiedelt es Hanglagen oder Bach- und Fluss-Ufer, verdrängt es dort die heimischen Pflanzen. Unterspülungen,  Hang-Rutschungen (bei Starkregen) und sogar Vermurungen können die Folge sein und ganze Siedlungen gefährden! Der Halt durch heimische Tief-Wurzler fehlt. In der Folge kann der Wind bei Trockenheit den Humus wegtragen, der Boden hat zu wenig Halt.

Gefahr für Pflanzenwelt

Die Samenausbreitung erfolgt an Ufern bachabwärts. Da Springkraut schon auf Höhen bis zu 1.200 Metern gefunden wird, kann es so zu einer durchgehenden Verseuchung ganzer Bach-Ufer kommen. Zudem bildet es wegen seiner hohen Samenproduktion große, flächendeckende Bestände.

Gefahr für die Biene

Stirbt die Biene, stirbt der Mensch! Und als wären Pestizide und Varroa-Milbe nicht genug: Das Springkraut wird von vielen Insekten wie der Honigbiene besucht. Allerdings sind die Mengen und Qualität von Pollen und Nektar nicht ausreichend, um Ertrag und vollwertiges Futter zu liefern. Nach Aussagen von Imkern verausgaben sich die Bienen an dem zu gering vorhandenen Nektar zumeist so sehr, dass ihnen ein frühes Ende vorbestimmt ist und kein Honig geschleudert werden kann.

Bekämpfung

Die einfachste Bekämpfung des Springkrautes ist das Ausreißen der einjährigen Pflanze, kurz vor oder zu Beginn der Blütezeit im Juli. Die Goldrute muss mühsamer ausgegraben werden...


ROFAN-KURIER - Unabhängige Regionalzeitung im Tiroler Unterland © 2022

Suche

Startseite