LA Dornauer (SPÖ) im ROFAN-KURIER-Interview: "Pamela Rendi-Wagner bringt Aufrichtigkeit und Integrität mit. Das vermisse ich in österreichischen Politik ansonsten ein wenig."

LA Dornauer: "Meine Waffe war nicht geladen"

Dr. Georg Dornauer ist Baujahr 1983. Er ist seit 2016 Bürgermeister in der Gemeinde Sellrain und seit 2018 Abgeordneter zum Tiroler Landtag. Mittlerweile ist er auch Parteivorsitzender der SPÖ Tirol und seit Mai 2019 Klubobmann.

TIROL Dr. Georg Dornauer ist 37, Sohn des gleichnamigen SPÖ-Politikers, der ihm praktisch das Mandat des Abgeordneten in die Hand übergab: Der gleichnamige Vater schied 2018 aus dem Landtag aus, sein Sohn stieg ein. Dornauer ist ledig, "single" und hat keine Kinder. Der ROFAN-KURIER lud ihn für die aktuelle Ausgabe zum Polit-Interview ein.

ROFAN-KURIER: "SPÖ-Chefin Rendi Wagner hatte kürzlich angedacht, dass die SPÖ-Mitglieder den Partei-Vorsitzenden direkt wählen sollten. Wie siehst du das?"
Dr. Georg DORNAUER: "Prinzipiell positiv. Die SPÖ Tirol hat das bereits: Jedes der 3.000 Mitglieder kann sich vor dem Landes-Parteitag als Delegierter melden und mitwählen. Bei 160.000 Mitgliedern auf Bundesebene wäre der Aufwand aber doch sehr hoch. Klingt nett und progressiv. Aber schwer machbar. Außerdem: Die Delegierten leisten ehrenamtliche Arbeit und übernehmen ehrenamtlich Funktionen. Dafür müssen sie auch mehr Gestaltungs-Spielraum haben."

ROKU: "Du gehst öffentlich davon aus, dass SPÖ-Chefin Rendi Wagner in der Mitglieder-Befragung Anfang März‚ breite Zustimmung' bekommen wird…"
DORNAUER: "Es war zwar nicht notwendig, dass sie zu diesem Zeitpunkt die Vertrauensfrage stellt, weil die Charme-Offensive von schwarz-grün längst verblasst ist. Siehe Angriff auf die Justiz, siehe Eurofighter-Skandal… Niemand in der SPÖ will aktuell an der Spitze der Partei etwas ändern. Aber wenn sie das für ihre Arbeit braucht, akzeptiere ich das. Sie wird dabei von der Basis denke ich auch nicht abgestraft."

ROKU: "Aber Rendi-Wagner hat die Nationalrats-Wahl haushoch verloren… und du hattest Zweifel, dass eine 'weibliche Akademikerin' die richtige Integrations-Figur für den Wiener Stammwähler ist. Woher der Sinnens-Wandel?"
DORNAUER: "Mein Verhältnis zu Rendi-Wagner ist ein gutes. Sie bringt Aufrichtigkeit und Integrität mit. Das vermisse ich in der österreichischen Politik ansonsten ein wenig. Sie hat die Partei in einer Schockstarre übernommen und einen unglücklichen Start hingelegt. Aber sie ist vom Bundes-Parteitag mit breiter Zustimmung von 95 Prozent gewählt. Das ist zu akzeptieren."

ROKU: "Was war da los? Wie kann es dir als Jäger passieren, dass dein Jagdgewehr geladen am Rücksitz deines Porsches liegt. Bei offenem Fenster…?"
DORNAUER: "Es war der 15. November 2019. Ich hatte viel Arbeit, viele Telefonate. Ich wollte am Abend noch einen Pirschgang machen – und dann war aber die Hubertusfeier… am nächsten Tag musste ich nach Wien fliegen. In der Eile habe ich wohl die Gewehrtasche am Rücksitz liegen lassen. Das hintere Fenster war definitiv unten – aber ich weiß nicht warum. Kann sein, dass es durch andere Funkfernbedienungen ausgelöst wurde. Meine Waffe war aber definitiv nicht geladen! Es war keine Patrone im Lauf. Die Waffe war entladen aber unterladen (Munition im Magazin, aber nicht in der Kammer, Anmerkung)."

Dornauers Waffe war "entladen aber unterladen"

ROKU: "Großer Zufall, dass die Polizei das in der Tiefgarage entdeckt. Riecht nach Anzeige..."
DORNAUER: "Fakt ist… es war eine schwarze Gewehr-Tasche, die man am schwarzen Rücksitz kaum gesehen hat. Davon abgesehen war es freilich nicht in Ordnung, sie dort zu lassen – und so etwas darf nicht passieren."

ROKU: "Wie steht es um das Verfahren zu deinem Waffenverbot?"
DORNAUER: "Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Es gab einen Bescheid. Gegen den habe ich Beschwerde eingelegt. Wir schauen, wie das Landes-Verwaltungsgericht die Sache bewertet und entscheidet."

ROKU: "Was kann man sich in der SPÖ eigentlich von Hans-Peter Doskozil abschauen?"
DORNAUER: "Ich denke, es sind 3 Punkte. 1.) Doskozil ist sehr authentisch. Er ist 'echt'! 2.) Er hat in der Migrations-Frage eine ganz klare, pragmatische und restriktive Linie verfolgt. Das war wichtig! 3.) Er hat in wesentlichen sozialdemokratischen Fragen Antworten formuliert und in seinem Kompetenzbereich umgesetzt. Z.B. die 1.700,– EURO Mindestlohn netto in Landeseinrichtungen."

ROKU: "Doskozil war mit der FPÖ-Kooperation erfolgreich. Ein Modell für Tirol?"
DORNAUER: "Eins zu eins kann man das nicht mehr umlegen. 2015 wäre die SPÖ in der Opposition gelandet, wenn er es nicht getan hätte. Die mediale Kritik von damals an der SPÖ-FPÖ-Zusammenarbeit war überzogen. Aber die freiheitliche Partei steht heute sicher anders da als noch 2015…"

Dornauer verspricht: SPÖ wird Partei des Mitredens

ROKU: "Was ist dir wichtig – welche Themen möchtest du 2020 anpacken?"
DORNAUER: "Die neue SPÖ Tirol wird 2020 DIE Partei des Mitredens und Mitgestaltens werden. Wir werden Themeninitiativen in neun verschiedenen Politikbereichen schaffen: Wohnen. Mobilität. Konsum. Energie. Bildung. Arbeit und Wirtschaft. Migration, Integration und Sicherheit. Frauen. Gesundheit und Pflege. Jede Tirolerin und jeder Tiroler wird von uns die Gelegenheit bekommen, mitzuarbeiten und Politik direkt zu gestalten. Gemeinsam werden wir die großen Herausforderungen unserer Zeit anpacken: Die Lebensqualität und das Glück der Menschen stehen für uns über den Profiten der Großindustrie. Das ist nicht überall so, wie man am Beispiel Verkehr sieht, wo die Politik die Interessen der Frächterlobby über die Gesundheit der Tirolerinnen und Tiroler stellt. Hier braucht es rasch ein Umdenken, hier braucht es einen kulturellen Wandel."

ROKU: "Thema 5G-Ausbau: Zwei Tage nach einer Mail-Aktion von besorgten Bürgern zu 5G teilt Schramböck mit, dass die Mobilfunk-Industrie 1 Milliarde EURO Steuergeld für den 5G-Netzausbau bekommt. Was sagst du dazu?"
DORNAUER: "Die Menschen machen sich hier Sorgen. Und kein Medikament dürfte ohne Langzeit-Tests verordnet werden. Ich bin diesbezüglich weniger ängstlich, wenngleich man hier sicher aufpassen muss. Wenn sich die Technologie weiter entwickelt, sollte man die Gesundheit an erste Stelle stellen. Schramböck ist meines Erachtens ausschließlich eine hoch professionelle Lobbyistin der Wirtschaft in der Regierung…"

ROKU: "Lässt du in deiner Heimatgemeinde in Straßenlaternen 5G-Sender installieren, ohne die Bürger zu befragen?"
DORNAUER: "Das kann ich ad hoc nicht beantworten – da muss man sicher schauen, wie das von der Bevölkerung angenommen wird..."

ROKU: "Eine sehr politische Antwort. Danke für das Gespräch und den Besuch."


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