PV-Anlagen auf jedem Dach: Im Sommer gibt es in Europa ein Solarstrom-Überangebot.TIWAG

EU: Massiver Solarstrom-Überschuss!

Weil es mittlerweile so viele Photovoltaik-Anlagen in Europa gibt, schießt die Strom-Produktion an Sonnentagen in die Höhe. An Feiertagen, an denen die Wirtschaft als Abnehmer fehlt, führt das zu Negativ-Preisen für Strom von bis zu MINUS (!) 500,– EURO pro Megawatt-Stunde...

EUROPA/TIROL Der 1. Mai ist nur ein Beispiel. An diesem Feiertag stand in Deutschland fast alles still. Nicht aber die Photovoltaik-Anlagen auf Millionen von Hausdächern und Betriebs-Gebäuden. Viel Sonnenstrom im Netz, dafür kaum Abnehmer. Das führt zu einem Über-Angebot im Europäischen Stromnetz.

Gefahr von Blackout

Effekt: Der Preis fährt in den Keller. Am 1. Mai „kostete“ Strom in der Spitzenzeit (ca. 13:00 bis 14:30 Uhr) laut Klaus Müller, Chef der Bundes-Netzagentur, MINUS 499,99 EURO pro Megawatt-Stunde! Ähnlich in Österreich, Frankreich, Holland... In Deutschland wird aufgrund der Situation bereits vor drohenden Blackout´s gewarnt und zur Abschaltung der PV-Anlagen aufgerufen. Denn Netzausbau und Speicher-Möglichkeiten hinken dem PV-Ausbau hinterher... In Österreich wird das Thema kaum bis gar nicht diskutiert. Der ROFAN-KURIER hat daher nachgefragt und die TIWAG um Auskunft dazu gebeten. Dazu TIWAG-Presse-Sprecher Mag. Christof Mergl: „Auch in Tirol kann es an sonnigen Tagen – vor allem bei wenig Verbrauch, etwa an Feiertagen – zu einem Stromüberangebot kommen. Ein Blackout durch ein solches Überangebot gilt jedoch als unwahrscheinlich.“

Stabile Regelung und Pump-Speicherkraftwerke

In Österreich und Tirol sollen Netzbetreiber wie die TINETZ über stabile Regelmechanismen verfügen, mit denen man das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch jederzeit gewährleisten kann. Ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang: Tirols Pump-Speicherkraftwerke wie  Sellrain Silz! Sie können überschüssigen Solar-Strom aus dem Netz aufnehmen und damit Wasser in höher gelegene Speicherteiche pumpen. Von dort kann es später zur Abdeckung von Verbrauch an Schlechtwetter-Tagen, in der Nacht oder bei Spitzenbedarf wieder zur Stromerzeugung genutzt werden.

Wer Energie-Wende will, muss Speicherkraftwerke bauen...

Dazu Mag. Mergl: „Diese Entwicklung verdeutlicht auch die Bedeutung des weiteren Ausbaus von Speicherkapazitäten für ein widerstandsfähiges Energiesystem, denn große Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke, wie sie die TIWAG beispielsweise im Kaunertal plant, können Energie im großen Maßstab speichern und innerhalb kurzer Zeit wieder ins Netz bringen.“

Neue Angebote bestätigen Situation am Markt

Eine Bestätigung des sommerlichen Solarstrom-Überschusses sind auch die neuen Tarif-Angebote der TIWAG: Mit Produkten wie „dual fix“ oder dem Sommer-Preis „SNAP“, der von 10:00 bis 16:00 gilt, sollen Kunden animiert werden, ihre Stromgeräte vor allem am Tag einzuschalten und dann auch ihre Elektro-Autos zu laden. Der Preisvorteil ist eklatant: Eine Prüfung der eigenen Situation lohnt sich hier allemal. Nachteil an diesen Angeboten: Die Umstellung ist etwas bürokratisch und man muss einer 15-minütigen Auslesung des eigenen Stromverbrauches via Smart-Meter zustimmen. Das inkludiert, dass man ein wenig zum „gläsernen Kunden“ wird. Die eigenen Gewohnheiten lassen sich hier sehr gut ablesen. Und: Alle 15 Minuten geht ein Mobilfunk-Impuls vom eigenen Stromkasten aus.


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