Für Eltern und Schüler ist das Home-Schooling eine große Belastung. Den Lehr-Beruf wertet es in den Augen vieler aktuell sicher auf...

Die Abgründe des Home-Schooling...

Home-Schooling offenbart einmal mehr: Auf die Dauer geht's nicht. Die verwendete Technik ist datenschutz-rechtlich bedenklich. Kinder und Lehrer sind überfordert. Schüler knacken sich sogar gegenseitig die Accounts...

ÖSTERREICH/TIROL Home-Schooling. Der blanke Horror für viele Mütter und Väter, die vielleicht selbst gerade im Home-Office sitzen. Technische Probleme und Anwender-Fehler gehören da zum Alltag. Die Schulen verwenden teils Moodle als Plattform und Zoom für die Video-Konferenzen mit ihren Schülern. Ein einheitliches System gibt es nicht. Vor allem Moodle schmiert in der Praxis immer wieder ab, weil dieses System oft über die schuleigenen Server läuft. Die sind dann überfordert, wenn um Punkt 8:00 Uhr 1.000 Schüler beginnen, im System zu arbeiten.

Accounts gehackt

Bei weitem nicht das einzige Problem: Wie eine Mutter aus einem Tiroler Gymnasium berichtet, hacken einzelne Schüler dort sogar die Accounts ihrer Mitschüler. Eltern berichten, plötzlich habe jemand anderer im Account ihres Kindes geschrieben. Der Satz "ich f***e deine Mutter" tauchte im Chat-Protokoll auf. Eine Änderung seines Passwortes war von der Schule "nicht gewünscht". Dieses "hacken" basiert jedoch nicht auf der Genialität der Schüler, sondern auf der simplen User- und Passwort-Zuteilung der Schule. Eine 4-stellige (!) Kombi aus Schüler-Namen und Geburts-Datum...

IT-Experte und Datenschutz-Spezialist GF Lukas Schmelcher von INNO-EDV ist entsetzt: "Hier geht es um sensible, persönliche Daten der Kinder. Eine wechselnde oder zufällige Passwort-Generierung, vor allem mit mehr Stellen für die Accounts, wäre dringend anzuraten. Leider findet man banale Passwörter auch in der Privat-Wirtschaft noch immer...“

560 Whats-Apps bis 10:00 Uhr!

Und... etliche Schüler folgen dem Unterricht kaum. Stichwort Smart-Phones. Die Mutter eines Schülers berichtet, ihr Sohn hätte an einem einzigen Vormittag bis 10:00 Uhr bereits über 560 Whats-App-Nachrichten von Klassen-Kameraden erhalten! Zehnjährige bekommen Whats-Apps um 2:00 Uhr früh. Kinder spielen am PC oder Laptop, während sie vor der Kamera sitzen oder schauen sich Youtube-Videos an. Der Lehrer sieht das nicht. Er kann nur die Anwesenheit prüfen...

Datenschutz-Problem

In der IT gilt ein einfacher Grundsatz: "Wenn etwas gratis ist, bist DU das Produkt!" Die Erklärung dazu: Wann immer Dienste oder Apps kostenlos angeboten werden, kann der Anbieter datenschutz-rechtlich relevante Informationen über die Nutzer abgreifen und dann verkaufen.

Zum Thema Home-Schooling und Datenschutz sagt IT-Experte Lukas Schmelcher: "Datenschutz-rechtlich sind fast alle leistbaren oder kostenlosen Systeme bedenklich. Skype kann man diesbezüglich komplett vergessen. Zoom ist an den Schulen am meisten verbreitet und aktuell der Gewinner der Krise: Es hat gute Funktionalität – wenn einem der Datenschutz egal ist. In den Firmen hält hingegen 'Teams' groß Einzug."

Auf Rückfrage des ROFAN-KURIER sagt Schmelcher: "Die Server für diese Dienste sind nicht in der EU! Was mit den Daten passiert, weiß niemand genau. Es werden vermutlich nicht alle Video-Gespräche gespeichert. Aber alle Namen, Mail-Adressen, Account-Daten und weitere private Daten über das Nutzer-Verhalten werden gespeichert und an Werbe-Plattformen verkauft."

Fazit: Schulen öffnen!

Hinzu kommen teils Fehleinschätzungen der Lehrpersonen, die den Kindern zu viel zumuten, ihnen zu viel Hausübungen geben. Oder gar keine... Internet-Ausfälle, technische Probleme, Probleme bei Video-Konferenzen, Anwender-Fehler von  Lehrern wie Schülern oder Probleme bei (sinnlosen, weil mit offenem Buch am Tisch durchgeführten) Tests runden das Home-Schooling ab. Vor allem für die unter 14-Jährigen keine echte Alternative...


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