Stunk um den Lift in Kramsach: Die Bürgermeister-Liste bringt mit einem Postwurf den Vereins-Obmann a.D. und die Genossenschaft in Rage. ROFAN-KURIER

Lift Kramsach: Schlagabtausch per Postwurf!

Zum Thema "Sonnwendjoch-Bahn" verteilte die Bürgermeister-Liste Hartl Zisterer zum Jahreswechsel einen Postwurf. Inhalt kurz gefasst: "Wir sind nicht die Verhinderer". Es folgen harte Entgegnungen von der Lift-Genossenschaft und dem ehemaligen Vereins-Obmann Sepp Kreidl!

KRAMSACH "Wir sind nicht die Verhinderer des Lift-Projektes!" … So könnte man die Botschaft des Flugblattes der Kramsacher Bürgermeister-Liste von Anfang des Jahres zusammenfassen. Zu lesen ist im Postwurf (vollinhaltich am Ende des Arikels) etwa, dass man nach wie vor zum Lift-Projekt stehe – aber eben die Gemeinde keine Ausfalls-Haftung von 2 Millionen EURO übernehmen werde. Man (die Bürgermeister-Liste) habe nach Vorliegen der Projekt-Details vom Verein "Naturjuwel Rofan", beschlossen, jährlich 100.000,– EURO "in den ersten 20 Jahren des Liftbetriebes" beizusteuern.

Zur Erklärung: Der Gemeinderat hat dies beschlossen. Die Bürgermeister-Liste allein kann nicht beschließen. Wohl wahr ist: Ohne die Stimmen der Bürgermeister-Liste geht in Kramsach nichts. Hartl Zisterer's Liste hat die absolute Mehrheit und kann damit alles ablehnen oder umsetzen.

"Knackpunkt"

Der "Knackpunkt" für das Projekt sei laut Flugblatt der Bürgermeister-Liste die von den Banken geforderte Besicherung der zugesagten 2 Millionen EURO.
Denn das dürfe die Gemeinde gemäß einer Stellungnahme der BH Kufstein nicht. Im Postwurf der Bürgermeister-Liste heißt es weiter: Die Bürgermeister-Liste blicke statt dessen "in die Zukunft" und listet mit "Kinderbetreuung" und "Errichtung einer modernen Volksschule" geplante Umsetzungen auf.

Gründungs-Mitglied und ehemals Obmann des Vereins "Naturjuwel Rofan", Sepp Kreidl, verärgert der Inhalt. Er wendet sich wenige Tage später ebenfalls in einem Postwurf an die Bevölkerung (Original am Ende des Artikels).

Kreidl: "Das entspricht nicht den Tatsachen!"

In Kreidl's Postwurf heißt es etwa: "Die Darstellung der Bürgermeister-Liste bezüglich Lift entspricht nicht den Tatsachen!" Weder Lift-Genossenschaft noch Verein hätten jemals eine "Haftung" von der Gemeinde gefordert. Viel mehr wolle man nur die schriftliche Zusage, dass die versprochenen 2 Millionen EURO der Gemeinde auch kommen. Kreidl behauptet im Flugblatt weiter, dass "der Gemeinde-Vorstand, bestehend aus der Bürgermeister-Liste, dieses Projekt mit allen Mitteln verhindern will."

Kreidl nimmt Vize-Bgm. Karin Friedrich auf's Korn

Kreidl kritisiert auch Vize-Bürgermeisterin Karin Friedrich (ÖVP) scharf: Sie habe in einer Sitzung von Lift-Genossenschafts-Vorstand, TVB und Unternehmern die Meinung vertreten, "dass die Mehrheit der Bevölkerung den Lift gar nicht wolle". 3.300 Unterschriften für das Projekt beweisen laut Kreidl das Gegenteil.

Lift-Genossenschaft kritisiert Bgm. Hartl Zisterer scharf

Kurz vor Erscheinen der aktuellen Ausgabe wendet sich dann auch der Vorstand der Lift-Genossenschaft an die ROFAN-KURIER-Redaktion. Ihr Postwurf wird kurz nach dem Erscheinen der Jänner-Ausgabe auch in die Haushalte Kramsachs geschickt werden (Orginal ebenfalls am Ende des Artikels). Man erinnert im Postwurf an die "Wahlversprechen der Bürgermeister-Liste" von 2016 und eine Wahlkampf-Veranstaltung, in der Bgm. Hartl Zisterer im Beisein von LH Günther Platter (ÖVP) sich für den Lift stark gemacht hätte.

Gibt es noch Hoffnung für den Kramsacher Lift? Die Genossenschaft will jedenfalls weiterkämpfen. © Schonner

Es sei daher eigentlich die Aufgabe der Gemeinde-Führung und der Bürgermeister-Liste gewesen, sich für die Lift-Sanierung stark zu machen. Hartl Zisterer's Liste hätte sich in der Folge aber nicht gerade "mit Ruhm bekleckert". "Sie holte ein veraltetes, finanziell unrealistisches Gondelprojekt aus der Schublade, für das alle Rentabilitäts- und Finanzierungs-Fragen offen waren", schreibt der Vorstand in seine Aussendung - der Artikel dazu ist im ROFAN-KURIER-Archiv. Der Bürgermeister hätte bei Besprechungen zum Lift meist "durch Abwesenheit geglänzt", der Beschluss zur Auszahlung der 2 Millionen EURO sei ein "Feigenblatt-Beschluss", weil man die Besicherung verweigert.
Darüber hinaus müsste die Gemeinde Projekte aus dem laufenden Budget überhaupt nicht von der BH genehmigen lassen.

Lediglich der Beitritt zur Genossenschaft mit Risiko von maximal 10.000,– EURO sei abzusegnen gewesen. Auch der Einwand der BH Kufstein, dass "weder ein schlüssiges Gesamt-Konzept in Form einer Fachexpertise noch die Höhe der Investitions-Kosten und deren Finanzierung vorliegen", sei nicht richtig. Sowohl eine Fachexpertise läge vor, auch die Investitions-Kosten und deren Finanzierung seien bereits ausgearbeitet. Für die Genossenschaft ergäbe sich daher die Frage: "Was genau hat denn die Gemeinde bei der BH Kufstein angesucht - und welche Unterlagen wurden beigelegt?"

Lift: Wie geht es weiter?

Einer Sanierung des Liftes stehen viele Einheimische positiv gegenüber. Wie und warum diese dann vielleicht kommt, ist den meisten jedoch egal.
Zum weiteren Verlauf des Projektes heißt es seitens der Genossenschaft: "Es kann nicht sein, dass der patriotische und finanzielle Einsatz so vieler Menschen unserer Region umsonst gewesen ist! Solange die Liftstützen stehen, wird auch die Genossenschaft für den Lift kämpfen."

Postwurf der Bürgermeister-Liste Zisterer

Das Statement des ehemaligen Vereins-Obmannes Sepp Kreidl

Der Postwurf der eGen "Naturjuwel Rofan"

Statement der Aufsichtsbehörde

Dieses Statement wurde bei der Gemeinderatssitzung am Montag, 25. November 2019, im Kramsacher Gemeinderat vorgetragen.

Auszug aus dem Gemeinderats-Protokoll der November-Sitzung. © Screenshot/Gemeinde Kramsach

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